Eine Halle geht auf die Reise…

 

Dass auf unserem Rheinnebengewässer verschiedene schwimmfähige Objekte mehr oder weniger geschickt bewegt werden, gehört zum Alltag eines Hafenbetriebs. Vom Schlauchboot bis zum Frachtschiff ist regelmäßig einiges bei uns unterwegs ohne viel Aufsehen zu erregen. Am letzten Dienstag (16. April) aber trauten die wenigen eher zufällig anwesenden Beobachter wohl ihren Augen nicht, setzte sich doch eine massive, normalerweise friedlich in Ufernähe vor sich hin dümpelnde Bootshalle in Bewegung, um eine Strecke von einigen Hundert Metern vom Westufer des Maxauer Hafens zunächst Richtung WSA, dann vorbei an den Gaststegen Richtung StoraEnso und, nach kurzem Zwischenstopp und Anlegemanöver am Oststeg,

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bis zu ihrem neuen Bestimmungsort am Ostuferstreifen in die Lücke der ehemaligen Halle 26 zurückzulegen.

Einige Überlegungen und Diskussionen waren bei den Beteiligten und im Vorstand des MBC vorangegangen, um die Durchführbarkeit einer solchen Aktion zu prüfen. Immerhin musste sichergestellt werden, dass weder unsere Steganlage noch die dort festgemachten Boote gefährdet werden. Und wenn der Antragsteller für diese Aktion nicht ein Mitglied mit ausgewiesener Erfahrung in Konstruktion, Statik und Verankerungstechnik von Bootshallen gewesen wäre, so hätte es wohl kaum grünes Licht dafür gegeben.

So aber konnte Urban Geiger den Plan in die Tat umsetzen und seine Halle Nr. 2, die wegen ihrer Lage am westlichen Uferstreifen bei Niedrigwasser manchmal nur eingeschränkt nutzbar war, in die kürzlich entstandene Lücke zwischen der Halle 25 und 27 verlegen.

Umfangreiche Vorarbeiten waren dazu erforderlich. Zunächst musste der Zugangssteg abgebaut und zu seinem neuen Bestimmungsort transportiert und dort verankert werden. Die elektrischen Leitungen waren vom Mast und aus dem Schaltkasten zu demontieren und die Verankerungsseile zu lösen. Erst dann kam der Bewegungsvorgang: Angetrieben vom Arbeitsboot, welches in der Halle vertäut nahezu „blind“ von unserem Hafenmeister pilotiert wurde, gesichert durch zwei sehr lange Leinen, die zunächst am Weststeg, dann am Oststeg geführt und immer wieder auf Klampen belegt wurden, dirigierte Urban das „Gefährt“ Meter um Meter über die Wasserfläche. Dort wo die Sicherungsleinen um Boote oder Hindernisse geführt werden mussten, übernahm er zwischendurch die „Landführung“ mit seinem Schlauchboot immer wieder auch über das Wasser.

Zum Glück war das Wetter gnädig, warme Temperaturen, kein Regen und mäßiger Wind begünstigten die Aktion. Dennoch machte im Ostteil des Hafens eine beachtliche Strömung einige Probleme, die sich verstärkten, als gerade hier aus unerfindlichen Gründen der Motor unseres Arbeitsbootes plötzlich seinen Dienst versagte. Zum Glück war mit Gerd Greiner noch ein nautisch erfahrener Helfer hinzugekommen, der die Leinenarbeit von Land verstärken konnte und so das Schwimmobjekt sicher um den Kopfsteg des Osthafens geführt werden konnte.

Dort wurde erstmal eine Verschnaufpause eingelegt, die Halle an zwei Fingerstegen festgemacht.  

Die nächste knifflige Aufgabe bestand darin, die Eisenkonstruktion zwischen den Hallen 25 und 27, die als Abstandshalter diente, zu entfernen, um den Fahrweg für die Geiger-Halle freizumachen.

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Knifflig deshalb, weil die 24-er Schrauben möglichst gleichzeitig mit entsprechend großkalibrigem Werkzeug, balancierend auf wackligen Schlauchbooten, gelöst wurden und das Metallteil dann mit Hilfe von drei Arbeitsbooten zum Ufer gebracht werden musste. Weitere inzwischen eingetroffene Helfer (oder Schaulustige?) waren zur Stelle und zogen den Abstandshalter an Land.

Dann kam der delikateste Teil der Aktion, das Einschwenken der Halle in die richtige Position und das Einpassen in die Lücke. Mit großer Übersicht, präzisen Anweisungen und genialem Augenmaßen dirigierte Urban seine Mannschaft und die inzwischen zahlreichen Assistenten (u.a. Hans Westermann, Rolf Haas, Joachim Helfer) so fachkundig, dass seine Bootshalle schließlich wie von Geisterhand geführt, geschmeidig in die Lücke gleiten konnte. Dort mit Leinen und Fendern gesichert, konnte das spektakuläre Werk als erfolgreich durchgeführt betrachtet werden.

Gut 7 Stunden hat die Aktion gedauert, die Vorbereitungszeit ist dabei noch nicht mitgerechnet. Am Ende war Urban sichtlich zufrieden, räumte aber auch ein, sowas nicht jeden Tag machen zu wollen. Für uns als Club war das aber auch mal wieder ein Beweis dafür, dass bei guter Planung und Organisation mit vereinten Kräften und kameradschaftlicher Hilfe auch heute noch Großes bewegt werden kann…

(Bericht und Fotos: HZ)