„Land unter“ beim MBC Karlsruhe

landunter1Ein skeptischer Hafenmeister in Gummistiefeln – das verheißt nicht unbedingt Gutes! Pegel Maxau bei 8,60m und die Tendenz noch weiter steigend, da wird‘s auch hartgesottenen MBC-Vorständen langsam mulmig. Vor allem die Tankstelle machte uns da Sorgen. Ist wirklich alles dicht, keine Schwachstellen,wenn die Domschächte voll laufen? Sollte vorsorglich die Feuerwehr alarmiert werden oder genügt die eigene Überwachung und Gefahrenabwehr?

Nicht leicht, die richtigen Entscheidungen zu treffen, ohne einerseits unnötige Kosten (Feuerwehreinsätze sind in solchen Fällen nicht gratis!) zu verursachen, andererseits aber auch keine Umweltgefahren mit womöglich noch höheren Haftungsrisiken zuzulassen.

Mit vorbildlicher beratender Unterstützung der WaPo und wachsamen Augen des vor Ort anwesenden „Krisenstabs“ (Hans-Jürgen Rausch, Maurizio Bruno und Holger Zimmermann) konnte aber zum Glück auf einen Feuerwehreinsatz verzichtet werden. Ein ungewohnter Anblick bot sich da aber schon in unserem Hafen und dem Gelände davor.

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Die Bootshallen waren allesamt absolut unzugänglich, der Stromversorgungskasten der Stadtwerke bereits am Sockel umspült. Der Parkplatz war teilüberflutet, im höher gelegenen hinteren Bereich jedoch noch nutzbar, sodass auf eine endgültige Evakuierung schließlich verzichtet werden konnte. Auch das Clubschiff war zunächst noch über die Betonplattform trockenen Fußes erreichbar, später allerdings nur noch mit Gummistiefeln bzw. über einen mit Balken und Brettern ausgelegten Notweg.

Aber auch die Zufahrt von der Straßenseite her war mit steigendem Wasser eher für Amphibienfahrzeuge geeignet als für normale Pkw. So große „Pfützen“ sind schließlich auch für die in dieser Hinsicht ja nicht zimperlichen Hallenbesitzer der Westseite zum Glück ein ziemlich ungewohnter Anblick.

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Auf dem Landweg ankommende Gäste und Clubmitglieder wurden jedenfalls erstmal verschreckt. Umsatzfördernd für unseren Clubwirt sind solche Wetter-und Flutkapriolen natürlich auch nicht gerade, zumal ja auch auf dem Wasserweg jegliche Schifffahrt für Tage eingestellt werden musste. Die angekündigte Anfahrt des MYC Worms zu uns an diesem Wochenende musste folglich genauso abgesagt werden wie zuvor schon die vom Landesverband und dem MCK Mannheim geplante Sternfahrt nach Offendorf.

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Dass es der Konkurrenz in den „Rheinterrassen“da sogar noch übler erging, ist da kein echter Trost…

Immerhin: die Pegelstände des „Jahrhunderthochwassers“ vom Mai 1999 mit 8,89m wurden dann doch nicht ganz erreicht, obwohl in der Vorhersage des WSA Mannheim zeitweise ein Höchststand von 9,00m angekündigt wurde. Tatsächlich war dann aber am Sonntag Nachmittag bei 8,69 der Zenith erreicht. Nach leichtem Sinken am Montag auf ca. 8,50m kam dann noch eine zweite „Welle“, nochmal bis ca. 8,70m, seitdem sinkt der Pegel wieder ganz allmählich. Wann jedoch die 7,50m (HW2) unterschritten werden und die Schifffahrt auf dem Rhein wieder freigegeben werden kann, ließ sich zum Berichtszeitpunkt noch nicht absehen. Und selbst dann ist die Fahrt auf dem Rhein mit Sportbooten vorerst nicht empfehlenswert, weil erhebliches Treibgut sicherlich noch einige Tage ein hohes Risiko darstellen wird.

Alles in allem können wir aber wohl resümieren, dass wir noch mal glimpflich davon gekommen sind und sich die Infrastruktur unserer Hafenanlage auch unter diesen Extrembedingungen als solide und belastbar erwiesen hat. Auch wenn es für den Club und seine Mitglieder kein Vergnügen war, so sollten wir nicht vergessen, dass Mitbürger in anderen Regionen wesentlich mehr unter den Fluten leiden mussten.

Aber wie immer gab es auch hier „Krisengewinnler“: das Schwanenpaar jedenfalls genoss sichtlich die unverhoffte Ausweitung seines Segelreviers auf den Weg Richtung StoraEnso und zog dort sogleich genüsslich seine Bahnen. Naja, sei’s ihnen gegönnt……

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(Text und Fotos HZ, nachdem der Schriftführer nach Kroatien geflüchtet ist)