Schleusenfahrt des MBC Karlsruhe nach Iffezheim im Mai 2014

 

Mal ehrlich: gehören Sie auch zu den Bootsfahrern, die ein solcher Anblick einer Großschifffahrtsschleuse eher entmutigt und veranlasst, wieder umzudrehen? Nein? Auch nicht, wenn noch drei oder vier Dickschiffe inklusive Schubverband davor liegen und der Funkverkehr Schiff-Leitstelle eher zusätzlich verwirrend klingt?

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Zumindest schwitzige Hände und einen erhöhten Puls bekommen da auch manche Freizeitkapitäne mit durchaus respektabler Bootspraxis. Und nicht wenige Rheinskipper haben nur deshalb die attraktiven französischen Kanaltouren bisher ausgelassen, weil sie von den vielen Staustufen als Risikofaktor entmutigt wurden.

Damit dies für die Fahrschulabsolventen des MBC Karlsruhe so nicht zutrifft, organisierte der Club am 17. Mai eine Demonstrationsfahrt zur Schleuse Iffezheim, bei der erfahrene Bootsfahrer nicht nur zeigten, wie es geht, sondern auch Schleusentechnik und Verkehrsabläufe aus dem Blickwinkel des Schleusenpersonals im Turm erlebt werden konnte.

Gegen 13 Uhr traf die Gruppe von fünf Sportbooten bei strahlendem Sonnenschein, mäßigem Wind und angenehmen Temperaturen im Schleusenvorhafen bei Rhein-Km 333 ein und meldete sich vorschriftsmäßig über UKW-Kanal 18 zur Bergschleusung an. Dort wurden wir schon erwartet, denn unser Besuch war bereits angekündigt, weshalb sich die Boote zunächst einmal zum Sportbootanleger im Unterwasser direkt vor der Backbordkammer bewegten und dort festmachten.

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Ein kurzer Fußmarsch zur Straßenbrücke, drei Etagen Treppensteigen bis in die Kommandozentrale und schon wurde die 17-köpfige MBC-Delegation freundlich vom Schichtleiter, Herrn Butz, im Namen der WSV willkommen geheißen.

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Nach einer sehr informativen Erklärung der Anlage, ihrer Entstehung, den beeindruckenden Funktionsabläufen und der Sicherheitstechnik stellte er sich geduldig und höchst kompetent allen Fragen der interessierten Besucher. Auch das Zusammenwirken von Berufs- und Sportschifffahrt, die Vermeidung von Fehlern und Risiken und die oft kniffligen Entscheidungskriterien für den Schleusenmeister kamen zur Sprache. Und selbst manch erfahrenem „Schleusenprofi“ unter den Sportbootfahrern leuchtete nun auch ein, warum gewisse Wartezeiten bisweilen unvermeidlich sind und auch bei bestem Willen nicht präzise vorhersagbar sind.

Soweit die Theorie als wichtige Grundlage, es folgte die noch spannendere Praxis. Nachdem alle Crewmitglieder wieder ihre Boote bestiegen hatten, gab es auch gleich über Funk die Anweisung zum Losmachen und grünes Licht für die Steuerbordkammer, die für die fünf Boote diesmal exklusiv freigegeben wurde. Wir profitierten von einer der an dieser Schleuse eher seltenen Lücken im hier fast pausenlosen Berufsschiffsverkehr.

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Ein auffrischender Nordwind schob die Boote spürbar ungeduldig Richtung geöffneter Kammer und man musste die Fahrgeschwindigkeit gefühlvoll dosieren, um das Anlagemanöver sauber am Schwimmpoller „auf den Punkt“ zu bringen. Aber nach wenigen Minuten waren alle Boote fest und das Untertor konnte geschlossen werden.

Empfehlenswert ist zumindest bei der Bergschleusung das Belegen des Schwimmpollers mit einer Vor- und einer Achterspring und das Halten der Leinen durch zwei Personen. So kann man die unvermeidlichen Bewegungen des Bootes durch Schleusenschwell und Windeinfluss bequem ausgleichen, vorausgesetzt natürlich, dass ausreichend Fender zwischen Schleusenmauer und Bootswand ausgebracht wurden. „Schleusenprofis“ schaffen das auch mit einer Leine über die Mittelklampe, was allerdings eher bei größeren Booten (wegen der längeren Auflage an der Schleusenwand) funktioniert und auch da nicht ganz ohne Risiken ist.

Bei ca. einem Meter Hub pro Minute haben wir die zehn Meter Höhenunterschied einschließlich Vorbereitungs- und Toröffnungszeiten nach ca. 17 Minuten überwunden und erhalten Grün für die Ausfahrt ins Oberwasser.

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Dort kommt uns bereits die „Dolce Mare“, ein holländischer Schubverband tief abgeladen entgegen.

Vereinbarungsgemäß drehen wir direkt hinter ihm wieder in die Talfahrt und dessen Schiffsführer erhält die Anweisung, soweit vorzufahren, dass er uns auf jeden Fall die letzten beiden Poller an Backbord und Steuerbord freilässt. Erst als er sein Anlegemanöver vollständig abgeschlossen und die Maschinen abgestellt hat, fahren wir ein und legen uns an die zugewiesenen vier Poller, ein kleineres Boot legt sich dabei an ein größeres ins Päckchen. Das Abwärtsschleusen funktioniert problemlos für alle Boote auch mit nur einer Leine (vorhandene Mittelklampe vorausgesetzt).

Wieder dauert es etwa zehn Minuten, bis wir unten sind. Geduldig warten wir, bis das Dickschiff abgelegt hat und sich behäbig und uns gegenüber sehr rücksichtsvoll aus der Kammer bewegt. Dann fahren auch die Sportboote aus, die Fender werden eingeholt und die Talfahrt Richtung Heimathafen kann beginnen.

Klar natürlich, dass wir an unserem Stammankerplatz im „Emilsee“ nochmal Halt machen, um bei einer zünftigen Schiffermahlzeit die Schleusenfahrt samt ihrer nautischen Besonderheiten Revue passieren zu lassen. Respekt ja – aber Angst vor der nächsten Schleusung hat von den Teilnehmer(inne)n sicher jetzt keine(r) mehr.

Ein besonderer Dank gilt der WSV Freiburg und dem Schleusenmeister, Herrn Butz, für die tolle Unterstützung. Überhaupt muss man dem Schleusenpersonal in Iffezheim attestieren, dass sie trotz oft erheblichem Verkehrsaufkommen und manchmal ungeduldigen Schiffsführern immer einen mindestens korrekten, meistens aber sehr freundlichen Umgangston pflegen, die Bedürfnisse der Sportschifffahrt berücksichtigen und uns fair behandeln. Die Bereitschaft, unsere Aktion bereitwillig zu fördern, aber auch die Tatsache, dass hier Sportbootanleger immerhin im Unter- und Oberwasser bereitgehalten und gewartet werden und Sportboote oft sogar auch alleine geschleust werden, sollte die Überlegung wert sein, die Schleuse Iffezheim auch mal für eine Auszeichnung als „wassersportfreundliche Schleuse“ in Betracht zu ziehen.

Wer das unterstützen will, bitte auf der Homepage des DMYV in der Rubrik Service „Onlineformulare“ doppelklicken, dann das Teilnahmeformular „Wassersportfreundlichste Schleuse“ ausfüllen.

(Bericht: Holger Zimmermann, Fotos Thorsten Gettler, Holger Zimmermann)

Weitere Bilder der Schleusenfahrt