Die Lebensgeschichte unseres Clubschiffs „Vater Rhein“

Dritter Abschnitt Clubschiff "Vater Rhein"

  • Der MBC Karlsruhe kaufte 1969 die Demerag 35 zum "Schnäppchenpreis" von 20 000 DM
  • Der letzte Schiffer, der heute 80-jährige Reinhold Spielmann überführte das Schiff persönlich nach Karlsruhe, geschleppt von einem Tanker der Bavaria.
  • Im November 1969 machte es unter Sirenengeheul aller im Club liegenden Motorboote fest.
  • Er bekam gleich den Spitznamen "Hühnerfutterfrachter", da man die letzten Frachten noch 3 Jahre später intensiv riechen konnte.....
  • Nun begann erst mal die "Grobarbeit":
  • Reinigen des Schiffsrumpfes
  • Entrosten und Konservieren der Außenhaut
  • Anbringen neuer Ausleger zur Schaffung neuer Liegeplätze
  • Gießen des Lagersockels
  • Montieren des Schiffwiderlagers
  • Einfahren der Brücke (Juli 1970)
  • Damit war das Schiff erst mal "liegefertig".
  • Dann begann der Aufbau der Halle und der Innenausbau des Restaurants, was nochmals 19 Monate in Anspruch nahm.
  • Am 9. März 1972 war die Einweihung und die Taufe auf "Vater Rhein""
  • Insgesamt wurde investiert:
  • DM 20 000 für den Kauf des Schiffes
  • Mehr als 15 000 (!!!) Arbeitsstunden der Clubmitglieder
  • Nahezu DM 400 000 für den Ausbau des Schiffes
  • Finanziert wurde alles aus eigenen Mitteln, wobei alle "Register" gezogen wurden, von der Vorauszahlung der Clubbeiträge für Folgejahre bis hin zum "Verkauf" der (wunderschönen) Clubfenster an Clubmitglieder....
  • 10 Jahre nach der Einweihung, im Jahre 1982, ergab eine Wanddickenmessung, dass das Schiff durchzurosten drohte.
  • Die Kosten für die Sanierung wurden auf DM 120 000 veranschlagt
  • Der Betrag wurde durch eine einmalige Umlage durch die Clubmitglieder aufgebracht.
  • Das Schiff konnte endlich 1984 zur Karcherwerft nach Freistett geschleppt werden.
  • Die Reparatur dauerte knapp zwei Monate.
  • Bei der Rückführung wurde ein neuer (endgültiger) Liegeplatz gefunden und damit die Steganlage nochmals erweitert

Wir hoffen, dass unser Clubschiff "Vater Rhein" uns noch lange Zeit über seine 100 Jahre hinaus weiterhin als Kommunikations- und Ausbildungszentrum und gesellschaftlicher Mittelpunkt des MBC Karlsruhe sowie als Gaststätte und Restaurant für Jedermann dienen wird.

Die Lebensgeschichte unseres Clubschiffs „Vater Rhein“

Zweiter Abschnitt SK "Demerag 35"

    • Tatsächlich aber hatte die Firma Carl Presser (gegründet 1907 als Spedition) auch 2 Reedereien, nämlich die Bavaria, gegründet 1912 und heute noch existent, und die Demerag, die Donau-Rhein-Main-Schiffahrtsgesellschaft AG, die 1917 aus der Donau-Main-Schiffahrts GmbH hervorging, die den Verkehr auf dem Ludwigskanal (Vorgänger des Rhein-Main-Donau-Kanals) abwickelte.
    • Der Schleppkahn wurde aus dem Schrott neu aufgebaut und sehr schnell als "Demerag 35" wieder in den Verkehr gebracht (ohne Wissen der Familie Kussel....)
    • Die neuen Schiffspapiere sind datiert vom Oktober 1935. Das Schiff war also wenige Monate später bereits wieder im Dienst.
    • In diesem Jahr wurde auch die Kettenschifffahrt auf dem Neckar eingestellt und das Schiff fuhr nun mehr auf Rhein und Main, zumal die Firma Demerag ihren Sitz in Nürnberg hatte.
    • Auch während des Krieges ist das Schiff wohl gefahren. Die letzten Lebensmittelkarten – Nachweise stammen zwar vom Dezember 1939, aber 1942 wurde ein Schiffs-Klassifikations-Attest ausgestellt.
    • Der nächste Hinweis stammt aus der Schiffszählung der 4 Besatzungsmächte vom Aug 1946. Anscheinend wurde es im Hafen von St.Goar unbeschädigt aufgefunden.
  • Angeblich mit einem großen Hühnerstall an Bord, der zur Versorgung der Bevölkerung diente...
    • Von den 12 Schleppkähnen, die die Firma Demerag vor dem Krieg hatte, blieben 4 unbeschädigt – die Demerag 35 gehörte wohl mit dazu.
    • Es wurde sehr schnell wieder in Dienst gestellt, denn bereits im April/Mai 1947 erfolgte ein Eintrag im Schiffsattest.
  • Der nächste Eintrag stammt vom Feb 1950, der eine größere Besatzung vorschreibt.
  • Vom Aug. 1950 stammt die Schiffsbeschreibung in Holländisch.
  • Ein Jahr später im Aug. 1951 wurde eine Abgabenbefreiung ausgestellt
    • Diese Punkte beweisen, dass das Schiff schon wieder im Internationalen (Rhein-) Verkehr eingesetzt war.
    • Folgerichtig wurde im Oktober 1952 ein Zollverschlussbuch eingerichtet
    • Der dort hinterlegte Schiffer Josef Liebler konnte nicht mehr ausfindig gemacht werden.
    • Im April 1953 wurde das Schiff in Würzburg neu vermessen und erhielt dann (erneut) das Tauglichkeits – Attest für den Rhein
    • 1954 wurde dann das Schiff vom Schiffer Reinhold Spielmann übernommen, den wir aufgrund seiner Unterschrift im Zollverschlussbuch als 80-jährigen in Dorfprozelten ausfindig gemacht haben.
    • Das Schiff fuhr (nach seinen Erzählungen) auf der Strecke Duisburg – Würzburg bzw. Bamberg hauptsächlich Waschmittel, Mehl und Hühnerfutter.....
  • Eine Anweisung der Berufsgenossenschaftfür die Handhabung von "Extrahiertem Schrot in Schiffsladungen" vom Dez. 1956 bekräftigt dies.
    • 1956 ist das Schiff im Internationalen Rheinschiff – Register sowohl als Schiff als auch innerhalb der Demerag – Flotte aufgeführt.
    • 1957 wurde mal wieder ein neues Schiffsattest und Schiffzeugnis erstellt. Wie jedes Mal mit (geringfügig) veränderten Maßen und Gewichten.
    • Begleitend zu den neuen Papieren wurden Schiffsbeschreibungen in deutsch, französisch und holländisch erstellt. Damit konnte die Fahrt auf dem ganzen Rhein abgedeckt werden.
    • Auch wurde 1957 das Zollverschlussbuch verlängert mit einer Gültigkeit bis Juni 1967
    • Aber bereits 1964 wurde das Schiff stillgelegt und diente (zusammen mit 5 weiteren) im Hafen Würzburg als schwimmendes Lager, betreut von seinem Schiffer Reinhold Spielmann.
    • Die Firma Carl Presser, Inhaber der Firma Demerag, erbaute Ende der 60er Jahre zusammen mit Schickedanz (Firma Quelle) in Nürnberg-Fürth die größte und modernste Güterumschlagsanlage Europas. Leider kam dadurch Presser in Geldschwierigkeiten.
  • Dadurch bedingt wurden Teile der Firma Demerag verkauft, vorrangig die Schleppkähne, da deren Ära sowieso zu Ende ging. Die Schleppschiffe wurden durch moderne Motorschiffe abgelöst.
  • Verkauft wurde auch die Demerag 35 – an den MBC Karlsruhe.
    • 1971 wurde die Firma Carl Presser komplett einschließlich des Inventars der Firma Demerag an die Reederei Haniel verkauft.
    • Lediglich die Bavaria verblieb bei der Familie Presser bzw. deren Nachkommen Presser-Velder.
    • Der noch vorhandene Firmenmantel Demerag wurde 1977 in die Presser-Velder-Schiffahrts KG als Holding umgewandelt.

Die Lebensgeschichte unseres Clubschiffs „Vater Rhein“

Erster Abschnitt SK "Ostertag"

  • Das Schiff wurde 1889 auf Kiel gelegt und 1901 fertig gestellt bei der Werft Seibert in Heilbronn.
    • Die Werft Seibert entstand aus der Werft Bauhardt (gegründet 1851) die damals als eine der modernsten Werften galt und bereits Stahlschiffe baute, während sonst noch der Holzbau üblich war.
    • Gottfried Seibert, ehemals als Schiffsbaumeister bei Bauhardt tätig, übernahm 1887 die Werft, die dann seinen Namen trug.
  • Das Schiff war mit 406 Tonnen für ein Neckarschiff, die damals zwischen 250 und 300 Tonnen hatten, zu groß, war also von vornherein für Rhein und Main konzipiert.
  • Der Eigner und Schiffer war der 1848 geborene Carl Ludwig Kussel aus Neckarsteinach, der 1893 sein Schifferpatent für Rhein und Neckar erworben hatte.
  • Das Schiff hieß "Ostertag", warum, konnte nie in Erfahrung gebracht werden
    • In Neckarsteinach gab es eine Schiffer-Familie mit dem Namen Ostertag, die aber dieses Schiff weder fuhren noch besaßen. Es kann höchstens spekuliert werden, dass das Schiff ursprünglich von dieser Familie bestellt, aber dann wohl aus finanziellen Gründen nicht übernommen wurde (was auch die lange Bauzeit erklären würde).
  • Im Schiffsregister von 1908 konnten wir den Nachweis sowohl über das Schiff als auch die die Schifferfamilie Kussel finden.
  • Carl Kussel wurde im 1. Weltkrieg schwer verwundet (Durchschuss der rechten Hand) und gab nicht zuletzt deshalb das Schiff 1926 an seinen Sohn Paul Ludwig Kussel, der 1916 sein Schifferpatent erworben hat.
  • Das Schiff wurde dann in "Wilhelm Ostertag" umgetauft. Der Grund für diese Namensgebung konnte nie in Erfahrung gebracht werden.
  • Aufgrund seiner Größe war das Schiff in erster Linie für den Rhein konzipiert und fuhr überwiegend als Partikulier die Strecke Mannheim – Rotterdam – natürlich stets im Anhang eines Schleppzuges.
  • Auf dem Neckar wurde zu dieser Zeit die Kettenschifffahrt betrieben. Das Schiff konnte aber nur bei sehr hohen Wasserständen auf dem Neckar an der Kette geschleppt werden.
  • Im Jahre 1935 erlitt das Schiff im Hafen Mannheim Totalschaden, als ein Ladekran auf das Schiff stürzte und es unter Wasser drückte.
  • Der Tag des Unfalls ist nicht bekannt, konnte auch bei Recherchen in der 1935-er Ausgabe der Neuen Mannheimer Zeitung nicht gefunden werden.
    • Der Unfallort dagegen wurde vom Stadtarchiv Mannheim identifiziert.
  • Ludwig Kussel verkaufte über die Versicherung den Schrott an die Frankfurter Firma Carl Presser.
  • Paul Ludwig Kussel verließ die Schifffahrt und widmete sich neuen Aufgaben im Bereich der Schifferschulen, wahrscheinlich im Auftrag des Arbeitsdienstes. Er verstarb 1989 im hohen Alter von 94 Jahren.
  • Sowohl er als auch seine Nachfahren (seine beiden Töchter, sein Sohn und der Enkelsohn), die wir zwischenzeitlich ausfindig gemacht haben, lebten bis vor 3 Wochen (!!!) in der Überzeugung, dass das Schiff verschrottet wäre.
  • Im Schiffsregister von 1935, das im Feb. 1935 erschien, ist die "Wilhelm Ostertag" noch als im Besitz von Carl Ludwig Kussel befindlich und vom Schiffer Paul Ludwig Kussel gefahren, ausgewiesen worden.

Die Lebensgeschichte unseres Clubschiffs „Vater Rhein“

Dies war der Begleittext zu unserer Ausstellung im Clubschiff anlässlich des 100-jährigen Geburtstag des Schiffes an unserem Hafenfest vom 3. bis 5. Mai 2002.
Die Ausstellung zeigte dazu viele interessante Bilder und Original – Unterlagen zur anschaulichen Dokumentation der Lebensgeschichte.

Zuerst die technischen Daten unseres Clubschiffes:

  • Die Länge: ca. 50 Meter
  • Die Breite: ca. 7,4 Meter
  • Die Größe: ca. 407 Tonnen
  • Die Bauzeit: 1899 - 1901

Das Schiff war ein Schleppkahn, hat also nie eigene Maschinen besessen!

Die gesamte Lebensgeschichte lässt sich in drei etwa gleich lange Abschnitte unterteilen:

Wir hoffen, dass unser Clubschiff "Vater Rhein" uns noch lange Zeit über seine 100 Jahre hinaus weiterhin als Kommunikations- und Ausbildungszentrum des MBC Karlsruhe dienen wird.

Unser Clubschiff ist geöffnet

Öffnungszeiten
Montag, Mittwoch, Donnerstag und Freitag
   11:00 bis 23:00 Uhr
   Samstag und Sonntag
   10:00 bis 23:00 Uhr
   Feiertags: 10:00 bis 23:00 Uhr

 

 
 
 
Betriebsferien:
keine

 

Übrigens, unser Clubschiff ist bereits über 100 Jahre alt. Lesen Sie mal seine interessante und wechselvolle Geschichte!

Der MBC und unser Pächter lädt Sie herzlich zu einem Besuch in unserem Club-Restaurant ein. Telefon: 0721 - 56 25 10 

Hervorragende Menus und Getränke und eine tolle Küche erwarten Sie....

...serviert in einem maritimen, klimatisierten Gastraum oder im Sommer auf der Terrasse mit einem herrlichen Blick auf unseren Yachthafen...

Gerade auch für Nicht - Bootfahrer ist unser "Schiff" immer ein besonderes Erlebnis!

 

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